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Alt 08.07.2003, 17:27   #2
Sascha Trowitzsch
MOF Guru
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Das ist ein Buch, in dem nicht die Online-Hilfe lediglich in anderen Worten wiedergekäut wird, das nicht mit Screenshots gepflastert ist, das keine Werbeveranstaltung für VB.NET oder MS darstellt und keine endlosen sogenannten „Referenz“-Tabellen liefert. Es hat einen erschöpfenden Umfang, der es sowohl als Lehrbuch wie auch als Nachschlagewerk geeignet erscheinen lässt.

Der Autor erläutert die Programmiersprache mit wohlwollender Distanz, was bedeutet, dass Schwächen und Stärken gleichermaßen thematisiert werden. Er spart nicht mit deutlicher Kritik, wo sie angemessen erscheint und streicht andererseits die wesentlichen Vorzüge vor allem gegenüber der Vorgängerversion Visual Basic 6 heraus.
Das dürfte auch die wesentliche Zielgruppe des Buches sein: Umsteiger von VB6 auf VB.NET . Zwar werden alle Syntaxelemente behandelt, ein Programmieranfänger dürfte jedoch überfordert sein, wollte er allein mit diesem Werk das Programmieren erlernen – dazu sind grundlegende Techniken zu knapp behandelt.
Der Schwerpunkt liegt deutlich auf etwas, das in VB6 nur unzureichend implementiert war : Objektorientierung . Der unglaublich stringent objektorientierte Ansatz von .NET – selbst simple Datentypen sind Objekte - macht dies wohl auch erforderlich. Gleichwohl wird ein C++-Entwickler oder auch ein Delphi-Entwickler gerade hier viel Bekanntes wiederfinden und möglicherweise mit einem Überfliegen der Thematik zurechtkommen. VB6-Entwickler hingegen werden behutsam an die Hand genommen und Stück für Stück eingearbeitet, wobei sehr zahlreiche Code-Beispiele, die nicht zu knapp und nicht zu lang geraten sind, dabei helfen.
Nach diesem umfangreichen thematischen Teil werden die wichtigsten Grundklassen des .NET-Frameworks recht detailliert aufgezeigt und auch hier wieder die differierenden Verfahrensweisen zu VB6 - z.B. im Umgang mit Forms - mit Beispielen herausgestrichen. Der Grafikprogrammierung, einem Stiefkind von VB6, wird besondere Aufmerksamkeit zuteil, denn hier hat der VB6-Entwickler vollkommen neu dazuzulernen. Weiter werden den aus VB6 bekannten Steuerelementen ebenfalls die in .NET neu hinzugekommenen oder veränderten in einer Übersicht gegenübergestellt.
Was völlig fehlt ist der Umgang mit Datenbanktechniken: Da VB.NET ohne zusätzlichen Aufwand nur mit den Zugriffstechniken von ADO.NET arbeiten kann, nicht aber mit dem bisherigen ADO oder gar DAO und sich die diese Techniken sehr stark unterscheiden, sah der Autor keine Möglichkeit, ADO.NET und dessen datensensitive Steuerelemente noch zusätzlich in diesem Werk darzustellen – es gibt ein gesondertes Buch vom gleichen Autor dafür.
Das Vorgehen zur Erstellung eigener .NET-Komponenten – das Pendant zu den bisherigen ActiveX-DLLs oder -Controls, die .NET nicht mehr wirklich unterstützt – fehlt ebenfalls, weil dies VB.NET nur in der Version als Visual Studio.NET ermöglicht, nicht in der Standardversion.

Fazit: Viel besser kann nach meiner Überzeugung ein Buch zu VB.NET nicht gemacht werden.

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Geändert von Sascha Trowitzsch (08.07.2003 um 17:31 Uhr).
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