PDA

Vollständige Version anzeigen : Stundensatz für Selbstständige / Freiberufler


SEP
14.07.2004, 16:17
Hallo,
ich möchte keinenfalls eine Diskussion über Stundensätze oder Honorare anstoßen. Ich möchte ich an dieser Stelle nur den Link zu einem sehr informativen Beitrag über dieses Thema veröffentlichen.

Hier der Link (http://www.ratgeber-e-lancer.de/0502.html)

es grüßt Jens :)

SNowack
15.07.2004, 08:17
Diesen Artikel sollte sich jeder Freiberufler (oder der es werden will) durchlesen!!!

Gruss Stefan

Mattes
15.07.2004, 09:24
Hallo Zusammen,

ein sehr interessanter Ratgeber, dessen Kapitel über E-Lancer sich angenehm vom Rest des Ratgebers absetzt, aber leider an der einen oder anderen Stelle etwas hinkt und sehr "pro Arbeitnehmer".

Ein paar Beispiele:


Zuerst einmal kann man imho den Arbeitgeberanteil zu Arbeitslosen und Krankenversicherung nicht als Barwert zum Einkommen hinzuzählen, da das Geld für den Arbeitnehmer ja nicht wirklich verfügbar ist. Realistischer wäre, diesen Betrag mit den jeweiligen Ausgaben gegenzurechnen. Nun, wie das auch sei,

Um auf dasselbe Jahresgehalt zu kommen, muss der Selbstständige seine Betriebsausgaben zusätzlich verdienen. Büro, Computer, Software, Telefon, Reisekosten, Haftpflichtversicherung usw. kosten bei E-Lancern im Schnitt etwa 1/3 des Umsatzes.

Was haben den die Kosten mit dem Umsatz zu tun? Programmierauftrag zu gutem Tagessatz: keine Fahrtkosten, Schulung zu schlechtem Tagessatz 200km entfernt, hohe Reisekosten. Mit dem Umsatz steigen doch nicht die Betriebskosten, und schon gar nicht proportional und ein Drittel halte ich für zu hoch angesetzt!

Das zeigt imho auch folgene Rechnung:

Der Stundensatz von 20 € jedenfalls, für den sich so mancher Web-Designer schon an die Arbeit setzt, entspricht nach dieser Umrechnung einem Monatsgehalt von 960 €! Dafür allerdings sollte sich nicht einmal ein Schüler hergeben.

Anscheinend habe ich das nicht richtig verstanden, oder es läßt sich halt ein Gehalt eines Angestellten eben doch so einfach umrechnen:


20€/h=160€/t bei 24 Arbeitstagen also 3840,00€
Dagegen die Kosten:
Das extrembeispiel aufgegriffen: Als Schuüler hätte ich keine Kosten, PC ist da, fahren muß ich für Web Design auch nicht, Büromiete und Versicherungen fallen flach... bleiben also... richtig! 3840,00€

Realistisch:
200€ Krankenkasse
300€ Rente
70€ Kfz Kosten
200€ Büromiete
....bleibe 3070€ übrig.

Finde ich nicht sooo schlecht für zuhause sitzen und Code tippen.


Nochmal: Ich finde diesen Artikel wirklich gut! Er bietet gute Argumentation für höhere Stundensätze. Leider finde ich es schade, das er über ver.di veröffentlicht wird und Kapitel wie "Rechtsschutz für ver.di Mitglieder etc. enthält. Zugegebne, ver.di ist ein rotes tuch für mich ud wenn ich so die Schlagzeilen auf deren Internetseite lese, fallen mir sofort: Warnstreik, ver.di fordert, gegen Arbeitszeitverlängerung, mehr Geld, gewerkschaftliche Gegenwehr,..etc. auf. Und über so eine Organisation wird mir erklärt wie ich meine Stundensätze als Unternehmer kalkulieren sollte und warum private Karankenversicherungen sooo schlecht sind.

Da bleibt leider ein falaer Beigeschmack.

Trotzdem sehr lesenswert.

Mattes

stthkeil
16.07.2004, 06:55
[QUOTE]Original geschrieben von Mattes
Realistisch:
200€ Krankenkasse
300€ Rente
70€ Kfz Kosten
200€ Büromiete
....bleibe 3070€ übrig.

Finde ich nicht sooo schlecht für zuhause sitzen und Code tippen.

Hallo Mattes,

wie lange bist du schon Freelancer? Oder bist du Freelancer?
Wenn Ja, dann finde ich solltest du mal wirklich realistisch sein.

Ich will hoffen, dass du mehr als 300€ Rente im Monat zurücklegst und nicht vergisst, dass 3070€ der Umsatz ist. Da geht noch einiges an Steuern von ab.

200€ Büromiete??? Hab ich noch nichts für gesehen!

Gruß TS

Mattes
16.07.2004, 07:39
Hallo TS,


Ich will hoffen, dass du mehr als 300€ Rente im Monat zurücklegst und nicht vergisst, dass 3070€ der Umsatz ist. Da geht noch einiges an Steuern von ab.

Was man an Rente zurücklegen muß hängt ja auch von anderen "Besitztümern" ab und vor allem wie man das tut!

200€ Büromiete??? Hab ich noch nichts für gesehen!
Wenn Du ein große mehrstöckiges Haus hast, gibt's das Büro noch billiger ;)

Die Disskussion hatten wir schon so oft, ich hätte Sie nicht nochmal lostreten sollen. Was ich eigentlich nur sagen wollte: Ich halte diese Umrechnung nicht für seriös. Welcher Arbeitnehmer bekommt denn heute noch Weihnachtsgeld oder 13. Monatsgehalt? Und ehrlich gesagt, zieh von mir aus Steuern noch ab, (ob und wieviel man davon zahlt weißt Du ja im Jahr noch gar nicht, außerdem gehe ich hier von Nettosätzen aus) wenn ich nach abzug aller betrieblichen Kosten um die 3000€ in den Fingern halte (zur Erinnerung das waren mal 6000DM) dann kann ich nicht behaupten das das ein schlechter Monat war. Ob das reicht wenn man das jeden Monat als Freelancer hat steht mal auf einem anderen Blatt. Aber das kein Schüler sich für diesen Betrag hergeben sollte... na ich weiß nicht, typisch ver.di halt.

Mattes

MarkusS
16.07.2004, 08:16
Hallo @Mattes,
kann mich den Vorrednern nur anschließen. Deine Berechnung enthält weitere viel zu optimitisch angesetzte Zahlen. Z.B. ist die Produktiv-Stundenzahl pro Monat max. 100-120 Std., der Rest sind administrative Tätigkeiten und Aquisition. Alles vorausgesetzt, dass durchgängig Aufträge vorhanden sind.
Wenn z.B. viel Kleinkram anfällt, hier mal 10 Std., da mal 20, dann ist der Ertrag noch schlechter!

Thomas Braun
16.07.2004, 08:29
Ich finde den Artikel als Rechenbeispiel interessant, denke aber, dass die Zahlen dringend an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden müssen, denn:
1. Bin ich mir nicht sicher, ob das zugrunde gelegte Jahresgehalt eines angestellten Systembetreuers heute noch realisierbar ist.
2. Äpfel (abhängig Beschäftigte) mit Birnen (selbständige Unternehmer) verglichen werden. Die Arbeit dieser beiden Gruppen ist nicht identisch, somit kann die Bezahlung nicht identisch sein.
3. Für den Auftraggeber ein externer Auftragnehmer günstiger sein muss als ein Angestellter. Warum sollte er den Auftrag sonst extern vergeben?
4. Sich die meisten Selbständigen (meines Erachtens) nicht deswegen selbständig machen, damit sie mehr verdienen als Angestellte. Ich denke, dass die Motivation, selbständig zu werden, deutlich vielschichtiger ist.

Das waren meine (unbedeutenden) Gedanken zu dem Thema.

Mattes
16.07.2004, 10:43
Hallo Zusammen,

also ich sehe das ähnlich wie der Thomas, da kommt dann auch die Frage auf was man im Monat "braucht", was wiederum von den jeweiligen Lebensumständen abhängt.

@Markus:
Na bei Deiner Rechnung von 24Tagen ausgehend, hättest Du 4,1 produktive Stunden am Tag! Das wäre dann ein Halbtagsjob. Außerdem: Wenn ich mich 8h mit einem Projekt beschäftige, dann berechne ich auch 8h! Ob man das was herauskommt auch in 4h hätte schaffen können, spielt eigentlich keine Rolle, denn wie Ihr ja richtig sagt, muß man grübeln, nachlesen, ausprobieren, anrufen, vorbeifahren... warum sollte das nicht bezahlt werden?

Sascha hat es übrigens mal nett formuliert:

...Mir ist es eigentlich egal, wie hoch der Stundensatz ist; mich interessiert am meisten das Produkt aus Stundensatz x Arbeitszeit .

Mir kann einer ohne weiteres mit 25 €/std kommen, nur braucht er dann nicht zu wissen, dass ich ihm später halt doppelt so viele Stunden in Rechnung stelle, wie ich tatsächlich am Projekt gearbeitet habe. Einem Honorarmitarbeiter kann keiner nachweisen, wielange er wirklich gebraucht hat - und auch nicht vorschreiben, wielange er zu brauchen hat.


Wie gesagt hinkt imho aber auch die Berechnungsgrundlage aus dem Artikel. Machen wir doch mal eine andere Rechnung auf:

http://www.gehalts-check.de/aspStatistik/Daten/StatistikIT.htm

Nach dieser Quelle verdient ein IT Systembetreuer im Schnit inkl. Extras 34093,00€/Jahr, pech wenn Du weiblich bist, dann sind's nämlich nur 28642,00€/Jahr.

Also:
34093,00€ + 33% Aufschlag für Selbstständigkeit = 45343,69€!
Diesen Umsatz in 216 Tagen = 209,92€ pro Arbeitstag!
Zu erzielen mit 5,3h/Tag = 39,60€ als Stundensatz!

Man wird wohl auch noch andere Zahlen finden, diese hier scheinen mir aber weitaus realistischer als eine Erhebung der IG-Metall, veröffentlicht über ver.di

Nach wie vor kann man das imho nicht so einfach gegenrechnen!

Mattes

Hondo
25.07.2004, 17:55
Schade dass ich diesen Thread erst jetzt aufschnappe.
Wer sich als Freelancer verdingen muss, kann seinen Stundensatz nicht mit einem Stundenlohn eines Arbeiters vergleichen.

Als Freelancer trägst du ein hohes Finanzielles Risiko, musst dich selbst Krankenversichern, musst selbst für deine Rente sorgen, hast monatliche Fixkosten für z.B. Miete (oder zumindestens kalk. Miete), Strom, i.d.R. musst du einen Kredit für die Geschäftsaufnahme abzahlen, Kosten für Büroeinrichtung, Hard- und Software, Buchhaltung, musst Steuern bezahlen, Verbandsbeiträge, u.s.w.

Das ist eine riesige Last die erst mal hereingeholt werden muss. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass man immer Aufträge hat. Die Kosten hat man aber immer.

Jetzt rechne mal wie weit du mit 20,- Euro pro Stunde kommst. :eek:
Wenn ich als Arbeiter nur die Hälfte pro Stunde hätte, würde ich wesentlich mehr pro Monat haben.

Meint Andreas

Blaster
26.07.2004, 13:26
Original geschrieben von Thomas Braun
Ich finde den Artikel als Rechenbeispiel interessant, denke aber, dass die Zahlen dringend an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden müssen, denn:
1. Bin ich mir nicht sicher, ob das zugrunde gelegte Jahresgehalt eines angestellten Systembetreuers heute noch realisierbar ist.
2. Äpfel (abhängig Beschäftigte) mit Birnen (selbständige Unternehmer) verglichen werden. Die Arbeit dieser beiden Gruppen ist nicht identisch, somit kann die Bezahlung nicht identisch sein.
3. Für den Auftraggeber ein externer Auftragnehmer günstiger sein muss als ein Angestellter. Warum sollte er den Auftrag sonst extern vergeben?
4. Sich die meisten Selbständigen (meines Erachtens) nicht deswegen selbständig machen, damit sie mehr verdienen als Angestellte. Ich denke, dass die Motivation, selbständig zu werden, deutlich vielschichtiger ist.

Das waren meine (unbedeutenden) Gedanken zu dem Thema.

IMHO der beste Ansatz. Aber leider auch nur ein Ansatz. Wie an anderer Stelle erwähnt:
Als Freiberufler ist man eine "gesunde" Mischung aus Mitarbeiter und Unternehmer und je nach dem welcher Typ Freiberufler man ist, ist man entweder mehr das Eine oder mehr das Andere.
Die 'Milchmädchen' Rechnungen die hier aufgeführt wurden zeigen, dass die Diskussionsteilnehmer wohl mehr mehr auf der Mitarbeiterseite liegen.
Aspekte, wie z.B. - kurzfristige Profitorientierung kontra langfristige Wachstumsorientierung werden hier überhaupt nicht aufgeführt.
Deswegen erachte ich sämtliche quantitativen Aussagen als Nonsens. Auf meinen eignen Marktstudien haben solchen Quellen jedenfalls keinen Einfluss. ;)

Mattes
26.07.2004, 14:08
Hallo Blaster,

Aspekte, wie z.B. - kurzfristige Profitorientierung kontra langfristige Wachstumsorientierung werden hier überhaupt nicht aufgeführt.

Ein Freiberufler, der auch Freiberufler bleiben will, hat eine natürliche Wachstumsgrenze, da er "nur" seine Arbeitskraft einbringen kann. Wie arbeitet man als Freiberufler denn dann wachstumsorientiert?

Ich hoffe mit der Milchmädchenrechnung meinst Du die aus dem Artikel ;)

Mattes

Khelben
26.07.2004, 17:11
Welcher Arbeitnehmer bekommt denn heute noch Weihnachtsgeld oder 13. Monatsgehalt

Einige Leute im öffentlichen Dienst dürfen sich noch (wer weiß, was die nächsten Verhandlungen bringen :() über 14 Gehälter + Urlaubsgeld freuen. Allerdings ist das wohl eher die Ausnahme heutzutage.....

Gruß

Markus